Interkulturelle Psychotherapieforschung

Hintergrund

Im Jahr 2021 hatten 22,6 Millionen der insgesamt 82,3 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrations- und/oder Fluchthintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen), was einem Anteil von 27,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht (Bundeszentrale für politische Bildung, 2023). Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist z.B. allein die Zahl der Ukrainer*innen in Deutschland sprunghaft angestiegen. So lebten im November 2022 mit über 1 Million Personen nahezu sieben Mal mehr ukrainische Staatsbürger*innen in Deutschland als noch Ende Februar 2022 (Statistisches Bundesamt, 2023). Trotz dieser hohen Zahlen ist das psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgungssystem bisher kaum ausreichend in der Lage, Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund angemessen zu behandeln, da diese im Fall einer psychischen Erkrankung eine therapeutische Versorgung benötigen, die sich auf ihre besondere Lebenssituation einstellt (Graef-Callies & Schouler-Ocak, DGPPN, 2023).

Forschungsfragen

Welche Bedeutung haben psychische Krankheiten bzw. Psychotherapie in unterschiedlichen Kulturen? Welche notwendigen Modifikationen des psychotherapeutischen Prozesses, der Diagnostik, und der Gesprächsführung ergeben sich im Sinne kultursensibler psychotherapeutische Interventionen? Welche professionellen interkulturellen Kompetenzen benötigen Psychotherapeut*innen?

Projekte

Durch die Interkulturelle Psychotherapieforschung verfolgen wir u.a. das Ziel, Psychotherapie für Menschen mit Migrationshintergrund und Schutzsuchende in Deutschland zu adaptieren und somit eine bestmögliche Behandlung zu gewährleisten. Im Kontext der Third-Mission implementieren wir aktuell zwei Studien, welche die Durchführung und Evaluation einer kontextangepassten Kurzzeittherapie, der Interpersonellen Psychotherapie (IPT), für Schutzsuchende aus der Ukraine (IPT-U) zum Ziel hat. Dabei werden mehrere Unterziele verfolgt: (a) Ermöglichung von Psychotherapie für Schutzsuchende mit psychischen Störungen im Angesicht von Krieg, Flucht und Vertreibung, (b) Ermächtigen von Therapierenden für die Arbeit mit Schutzsuchenden, und (c) Personalisierung und Adaptation der Psychotherapie im Kontext von Migration, Krieg und Flucht, einschl. der Evaluation der kulturellen Adaptation sowie Untersuchung von Machbarkeit und Wirkmechanismen.

Die Studie „Interpersonelle Psychotherapie für Menschen aus der Ukraine“ (IPT-U; Start Oktober 2022) bezieht sich auf die Zielgruppe erwachsener Schutzsuchender aus der Ukraine und wird im Rahmen des Projektes „Psychologische Hilfe für Schutzsuchende und Helfende in VorPommern“ (PHil@SH-VP) durchgeführt. Für nähere Informationen zu PHil@SH-VP siehe:

Beratungsangebot im Kontext des Ukrainekrieges - Fakultät - Universität Greifswald (uni-greifswald.de)

Die Studie „Interpersonelle Psychotherapie für ukrainische Kinder und Jugendliche“ (IPT-KJU; Start Januar 2023) ist Teil des Projektes „Psychologische Hilfe für schutzsuchende Kinder, Jugendliche und deren Familien aus der Ukraine“ (PHil@SKJF-U) und schließt entsprechend Kinder ab 8 Jahren und deren Eltern ein. Im Rahmen dieser Studie wird die IPT-A sowie die family-based IPT durchgeführt und beforscht. Für nähere Informationen zu PHil@SKJF-U siehe:

Hilfsangebot für Kinder, Jugendliche und deren Familien im Kontext des Ukrainekriegs - Fakultät - Universität Greifswald (uni-greifswald.de)

Kooperationspartner*innen
  • Prof. Dr. Anna-Lena Zietlow, Technische Universität Dresden, Professur für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
  • Zentrum für Psychologische Psychotherapie (ZPP) Greifswald und Zentrum für Psychotherapie für Kinder und Jugendliche (ZPKJ)
  • Sprach- und Kulturmittler*innen
Förder*innen
  • regionale Förderer (Oberbürgermeister der Stadt Greifswald, Herrn Dr. Fassbinder; Sparkasse Vorpommern)
  • Robert-Bosch-Stiftung
  • Kinderschutzorganisation „Save the Children“