Forschung

Gegenstand unserer Forschung sind grundlegende Fragen der kognitiven Entwicklung im Kindesalter.
Besondere Schwerpunkte bilden die folgenden Themen:

Entwicklung intuitiven Wissens

Bereits Säuglinge erwerben in der alltäglichen Auseinandersetzung mit der sozialen und physikalischen Umwelt intuitives Wissen. Man nimmt vielfach an, dass dieses Wissen auf angeborenen Systemen der Kernkognition aufbaut und in den folgenden Jahren ständig erweitert und differenziert wird. Inwieweit sich die schon bei Säuglingen gefundenen Kompetenzen tatsächlich kontinuierlich weiter entwickeln und inwieweit sie sich auch in dem sprachlich ausdrückbaren Wissen von älteren Kinder wiederfinden, ist Gegenstand unserer Forschung. Hierzu wenden wir, je nach Alter der Kinder und Fragestellung, unterschiedliche Methoden der Erhebung an (vgl. Forschungsmethoden). Zu den Inhaltsbereichen, die wir erforschen, gehören das naive physikalische Alltagswissen (intuitive Physik), das naive psychologische Alltagswissen („Theory of Mind“) sowie das intuitive bzw. symbolische Zahlenverständnis (intuitive Mathematik). Unsere Forschungsergebnisse weisen sowohl auf Kontinuität als auch auf Diskontinuität in der frühen kognitiven Entwicklung hin.

Entwicklung mentaler Repräsentationen

Die Wahrnehmung unserer Umwelt führt zu einer mentalen Repräsentation derselben. Beispielsweise können wir in unserer Umgebung ein Objekt wahrnehmen. Mentale Repräsentationen dieses Objektes können aufrechterhalten werden, auch wenn kein Input mehr durch die Wahrnehmung besteht, und sie können verändert oder transformiert werden. In unserer Forschung untersuchen wir zum einen, anhand welcher Merkmale und unter welchen Bedingungen Kinder Objekte voneinander unterscheiden und auch als dieselben wiedererkennen, wenn diese kurzzeitig verdeckt werden (Objektindividuation). Zum anderen erforschen wir, wie sich die Fähigkeit zur Transformation mentaler Repräsentationen im Laufe der Kindheit verändert und welche Rolle dabei perzeptuelle und motorische Prozesse spielen (mentale Rotation und „Embodiment“).

Imitationslernen

Schon kurz nach der Geburt fangen Säuglinge an, Mimik und Gestik nachzuahmen und bauen ihre Fähigkeit zur Imitation während der ersten Lebensjahre kontinuierlich aus. Neben ihrer Bedeutung für die soziale Interaktion spielt die Imitation eine wichtige Rolle als effizienter Lernmechanismus, über den sich auch und gerade jüngere Kinder vielfältiges Wissen und neue Fertigkeiten im Umgang mit ihrer physikalischen und sozialen Umwelt aneignen. In unserer Forschung interessieren wir uns vor allem dafür, durch welche Faktoren das kindliche Imitationsverhalten beeinflusst wird und in welchen Kontexten besonders häufig imitiert wird.

Forschungsmethoden

Besondere Anforderungen an das Sprachverständnis oder an die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten stellen bei jüngeren Kindern häufig ein Hindernis dar, Wissen und Fähigkeiten sichtbar und messbar zu machen. Aus diesem Grund erproben wir neben möglichst kindgemäßen Formen der direkten mündlichen Befragung auch verschiedene indirekte Erhebungsmethoden. Letztere umfassen neben der Verhaltensbeobachtung und der Messung von Reaktionszeiten auch Analysen der Richtung und Dauer des Blickverhaltens sowie die Messung von Pupillenreaktionen.

Für weitere Informationen siehe auch Greifswalder Studien zur kognitiven Entwicklung.